Hier finden Sie die Reden von Diana Ertel
Einbringung der Reslolution zum Monitoring Integrationskurse
Ratssitzung am 11. Mai 2026
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte demokratische Mitglieder des Rates,
Auch wenn wir die mit der Resolution die Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hier in Wuppertal nicht unmittelbar rückgängig machen können, dürfen wir zu Folgen der Entscheidungen nicht schweigen. Wer Integration will, muss Menschen Werkzeuge in die Hand geben und das wichtigste Werkzeug dafür ist Sprache. Während überall über Fachkräftemangel gesprochen wird, werden ausgerechnet Sprachkurse gekürzt. Genau die Angebote also, die Menschen überhaupt erst ermöglichen, anzukommen, zu arbeiten und Teil unserer Gesellschaft zu werden.
Die Folgen sehen wir direkt hier in Wuppertal. Viele Teilnehmende stehen sowieso schon vor großen Herausforderungen, nicht weil sie nicht lernen wollen, sondern weil die Menschen häufig unter schwierigen Bedingungen in Deutschland ankommen, Verantwortung für Kinder tragen, Fluchterfahrungen gemacht haben oder sich parallel eine neue Existenz aufbauen müssen.
Und die Antwort des Bundes darauf ist es, die Wiederholungsmöglichkeiten zu streichen.
Allein in Wuppertal betrifft das jährlich rund 1000 Menschen. 1000 Menschen, die Deutsch lernen wollen und denen gesagt wird: Beim ersten Mal nicht geschafft? Pech gehabt!? Gleichzeitig wird Hunderten Menschen der Zugang zu Integrationskursen ganz verwehrt. Rund 600 Menschen in Wuppertal könnten künftig ausgeschlossen werden. Und dann wundern wir uns über fehlende Integration? Dann wird später gefragt, warum Menschen keine Arbeit finden oder auf Sozialleistungen angewiesen bleiben. Das ist politisch widersprüchlich – und vor allem kurzsichtig. Sprache ist keine freiwillige Nebensache.
Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer an Sprachförderung spart, spart nicht Geld – sondern verspielt Integration. Deshalb setzen wir heute ein klares Signal: gegen den Zulassungsstopp, gegen diese Kürzungspolitik und für eine Integrationspolitik, die ihren Namen verdient.
Ich bitte um Zustimmung zu dieser Resolution.
Entgegung auf den FDP/WfW Antrag VO/0268/26
"Verlagerung und Weiterentwicklung des Café Cosa."
Ratssitzung am 23. Februar 2026
Danke, Frau Oberbürgermeisterin,
Sehr geehrte demokratische Fraktionen,
was hier in diesem Antrag der FDP als „liberale Ordnungspolitik“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine knallharte Verdrängungspolitik auf dem Rücken der Schwächsten. Sie sprechen von der „Entlastung hochfrequentierter Innenstadtlagen“. Arroganter geht es kaum. Wir reden hier von suchtkranken Menschen. Von Menschen, die häufig wohnungslos sind. Von Menschen mit schweren Traumatisierungen. Von Menschen, die von dieser Gesellschaft und der Politik immer wieder im Stich gelassen wurden.
Und die Antwort der FPD lautet: „Bitte nicht hier. Bitte so, dass wir es nicht sehen.“ Frei nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“
Ich fordere Sie auf, genauer hinzusehen, statt zu hetzen. Legen Sie doch ein Mindestmaß an Empathie an den Tag. Denn Ihr Antrag zeigt vor allem eines: fachliche Ahnungslosigkeit. Wenn Sie sich auch nur ansatzweise ernsthaft mit der Arbeit des Café Cosa beschäftigt hätten, wüssten Sie: Das Café Cosa IST bereits ein niedrigschwelliges Angebot. Es gibt psychosoziale Kurzberatung. Es gibt Weitervermittlung in Therapie, Substitution und ärztliche Versorgung. Und wissen Sie, was es am Café Cosa noch gibt? Dort wird verhindert, dass Menschen allein in Parks, auf Toiletten oder in Hauseingängen konsumieren und sterben. Es schafft Kontrolle, wo sonst Chaos wäre. Auch wenn das für Sie nicht ersichtlich ist, weil sie vor Vorurteilen den Respekt vor diesen Menschen verloren haben. Das Angebot schafft Beziehung, wo sonst völlige Entkopplung vom Hilfesystem herrscht.
Sie wollen Drogenkonsum „aus dem öffentlichen Raum herausnehmen“. Warum? Weil er nicht in Ihr Bild von Innenstadt passt. Sie bedienen sich dabei ganz selbstverständlich stigmatisierender Narrative von „Messer- und Gewaltkriminalität“ und suggerieren, von suchtkranken Menschen gehe per se eine Gefahr aus. Das ist nicht nur fachlich falsch sondern auch politisch verantwortungslos.
Sucht ist eine Erkrankung. Armut ist kein Verbrechen. Wohnungslosigkeit ist kein Ordnungsverstoß. Ordnungspolitik hilft nicht. Das sagen Fachverbände, Suchtexpert*innen, Sozialarbeiter*innen seit Jahren. Aber dazu müsste man ihnen zuhören. Stattdessen versuchen Sie, diesen Antrag am Fachausschuss vorbei durchzuboxen. Wenn Sie wirklich wollen, dass Angebote von der Szene angenommen werden, dann müssen diese Angebote dort sein, wo die betroffenen Menschen sind. Und die sind nun einmal am Hauptbahnhof und in der Innenstadt, ob Ihnen das gefällt oder nicht.
Crack bedeutet kurze Konsumintervalle. Menschen müssen schnell und niedrigschwellig Hilfe erreichen können. Wenn Sie Angebote an den Stadtrand verschieben, erhöhen Sie Hürden. Und höhere Hürden bedeuten mehr Konsum im öffentlichen Raum, nicht weniger. Was Sie hier vorschlagen, verschärft das Problem. Und deshalb lehnen wir diesen Antrag ab.
Vielen Dank.
