Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Ein Vorbild für Wuppertal?

Lettow-Vorbeck-Str. endlich umbenennen!

In der Ratssitzung am 10. März 2008 hat unsere Fraktion den Antrag gestellt, die Lettow-Vorbeck-Straße in Vohwinkel umzubenennen.

Schon länger gab es Bestrebungen, den belasteten Straßennamen loszuwerden. So scheiterten die Grünen im Mai 2006 mit einem entsprechenden Antrag in der Vohwinkeler Bezirksvertretung, und zwar mit 2 gegen 12 Stimmen.

Ende 2007 beschäftigte sich die katholische Kirchengemeinde in einer öffentlichen Veranstaltung noch einmal eindringlich mit dem Thema, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass es sich bei Lettow-Vorbeck um jemanden handelt, bei dem es nichts zu würdigen gibt, schon gar nicht durch eine Straßenbenennung.

General Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964) war zwischen 1900 und 1918 als General an der Aufrechterhaltung des reichsdeutschen Kolonialsystems in China und Ostafrika führend beteiligt. Er war ein besonders brutaler und menschenverachtender Vertreter des deutschen Kolonialismus und hat von China über Afrika bis nach Hamburg und Mecklenburg (Kapp-Putsch) eine Blutspur hinter sich her gezogen. 1904 war er etwa als Adjutant des Generals von Trotha an der Ermordung von über 60000 Herero, Männern, Frauen und Kindern, in „Deutsch-Südwest-Afrika“, dem heutigen Namibia, beteiligt.

Nach dem Ersten Weltkrieg beteiligte Lettow-Vorbeck sich am gegen die Republik gerichteten Kapp-Putsch und diente schließlich dem NS-Regime als Kolonialpropagandist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Lettow-Vorbeck trotzdem immer noch als Kriegsheld, und zumindest in der frühen Bundesrepublik wurden Kasernen, Schulen, Straßen und Plätze nach ihm benannt.

In den letzten Jahren hat sich, bedingt auch durch neue historische Forschungen zur Rolle von Lettow-Vorbecks, eine kritischere Haltung zu diesem „Helden“ entwickelt. Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul hat sich am 14.8.2004 in der Hauptstadt Namibias, Windhuk, für die Verbrechen der deutschen Militärs entschuldigt.

Die Stadt München hat unlängst ihre von-Trotha-Straße in Hererostraße umbenannt. In zahlreichen Orten gibt es Bestrebungen zur Umbenennung von Lettow-Vorbeck-Straßen, -Plätzen usw. Auch Wuppertal sollte einen anderen Namen finden: Es sollte in Wuppertal keine Straße geben, die nach jemandem benannt ist, für den man sich im Ausland entschuldigen und schämen muss.

Im Januar hat die konstituierende Sitzung des Arbeitskreises „Kultur der Erinnerung“ stattgefunden, der sich auch dieses Themas annehmen wird und dem Rat Empfehlungen geben wird.

Der Rat übrigens hat sich am 10.3. für unzuständig erklärt. Die Zuständigkeit liegt bei der Bezirksvertretung, die die Umbenennung schon einmal abgelehnt hat.