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Gehalten von Gerd-Peter Zielezinski, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE im Rat der

Ratssitzung 7. März 2016, TOP 4.1, VO/0040/16, Rundbogenfenster im Gebäude Wuppertaler Hauptbahnhof

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

wenn man sich inhaltlich nicht mit Argumenten auseinandersetzen will, dann findet man polemische.

Dann ist es unerhört, dass DIE LINKE, die sich kritisch mit dem Döppersberg-Projekt und seinen Kosten auseinandergesetzt hat und weiter auseinandersetzten wird, einen Vorschlag unterbreitet, der wahrscheinlich zusätzliche Kosten verursachen wird. Allerdings würden diese Kosten im Verhältnis zu den bislang akzeptierten kaum ins Gewicht fallen und unter Umständen von Sponsoren getragen werden können.

Aber das einmalige Bahnhofsgebäude könnte zu einem Juwel und Sympathieträger für die ganze Stadt werden. Allerdings nur, wenn man sich vom einmal eingeschlagenen Weg trennt und die Veränderungswünsche der Bürgerinnen und ausgewiesener Fachleute nicht in den Wind schlägt.

Mit Hinweis auf eine Entscheidung aus dem Jahr 2007 für die rechteckigen Fenster verschanzt sich die Verwaltung gegen jegliche Kritik von anerkannten Fachleuten.

Ich zitiere aus der Stellungnahme der Verwaltung:

„Eine Veranlassung zur Berechnung der Mehrkosten und zeitliche Auswirkung für runde Fenster lag und liegt nicht vor und würde nur personelle, finanzielle und zeitliche

Ressourcen im Projekt binden. Im Projekt waren immer rechteckige Fenster geplant."  Soweit, so falsch.

Im Siegerentwurf von 2004 waren die Fenster noch rund.

Das Projekt Döppersbergumbau hat gezeigt, dass selbst gravierende Umplanungen möglich waren, wenn dies zum Nutzen des Großinvestors war.

Wenn dies engagierte BürgerInnen vorschlagen, soll das nicht möglich sein!

Auch im Beschluss zur Entwurfsplanung aus dem Jahr 2007, VO 0101/07 werden Rechtecköffnungen nicht benannt.

Die Gestaltung der Bahnhofsfassade wird nicht mit einer Silbe erwähnt.

Im Übrigen können Beschlüsse gefasst und wieder geändert werden.

Beim Investorenkubus, der Komplettüberbauung der Brücke, beim Bahnhofsvorplatz, im Falles des Busbahnhofes, beim Wupperpark und nicht zuletzt bei der Bundesbahndirektion dürfen gravierende Änderungen in Planung und Ausführung geschehen - praktisch bei sämtlichen Teilen des Döppersbergprojektes.

Die dafür notwendigen Ressourcen und Gelder werden zur Verfügung gestellt, für Veränderungen, die der eigentlichen Intention des Projekts, das historische Bahnhofsensemble herauszustellen, weitgehend konterkarieren!

Beim kostbaren Bahnhofsgebäude selbst, soll dann eine Änderung an der Erdgeschossfassade nicht möglich sein? Es ist absurd!

Die Entscheidung für Rechteckfenster erfolgte aufgrund der Annahme, dass keine alte Bausubstanz mehr vorhanden sei. Nach dem Abriss der Vorhalle aus den sechziger Jahren ist allerdings Originalsubstanz aus der ersten Bauphase von 1848 zum Vorschein gekommen. Dadurch hat sich die Entscheidungsgrundlage geändert.

1848 und um 1880 nach dem ersten Umbau waren im Erdgeschoss Rundbogenfenster vorhanden.

Der zweite Umbau in den 10er Jahren des letzten

Jahrhunderts wurde mit rechteckigen Fenstern versehen. Vergleicht man Ansichten von 1848 und ca. 1880 mit Fotografien der zweiten Umbauphase, wird unmittelbar

deutlich, dass es sich um eine unpassende, unharmonische architektonische Gestaltung handelte.

Es leuchtet nicht ein, warum man bei der jetzt anstehenden Maßnahme ausgerechnet diese problematische Gestaltung zum Vorbild nehmen sollte.

Zumal das Wettbewerbsergebnis von 2004 Rundbogenöffnungen vorsah!

Ich zitiere aus dem offenen Brief vieler bekannter Bürgerinnen unserer Stadt, den alle STV am Wochenende erhalten haben:

"Die Bezirksvertretung Elberfeld und - nach der

Freilegung von Originalrundbögen im Erdgeschoss - auch die Untere und Obere Denkmalbehörde

stimmen einer weitgehenden Rekonstruktion nach historischem Vorbild zu. Der neue Oberbürgermeister

hat sich vor der Wahl in der Stadtzeitung eindeutig für die Rundbögen ausgesprochen.

Das Erdgeschoss muss ohnehin aufwendig wiederhergestellt werden. Die von sachkundigen

Bürgern ermittelten Mehrkosten sind gegenüber den Gesamtkosten von 140 Mio Euro nur ein geringer

Teilbetrag; sogar eine erste Spendenzusage über 20.000 € liegt bereits vor.

Die Deutsche Bahn als Eigentümerin muss für das Vorhaben gewonnen und auf das Alleinstellungsmerkmal ihres Gebäudes hingewiesen werden. Die Stadt und die Bahn werden von der historischen Wiederherstellung der Bahnhofsfassade nur profitieren!" Zitat Ende

Es wird von der Verwaltung der Eindruck erweckt, dass die Entscheidung auf Betreiben der DB erfolgt sei.

Heute wissen wir, dass die DB sich alle Möglichkeiten offenlässt. Eine Kostenübernahme für Rundbögen lehnt die DB kategorisch ab. Davon war allerdings bislang noch nie die Rede.

In den Verträgen mit der DB ist die Passage über die Ausgestaltung der Fassade sehr allgemein gehalten. Die Stadt hat also einen großen Spielraum.

Die Verwaltung verweist auf die Einbeziehung und Abstimmung mit Oberer und Unterer Denkmalbehörde und dem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW.

Die Alternative der Rundbogenfenster wurde allerdings den genannten Instanzen nicht vorgestellt, so dass die Rechteckfenster nur als einzige erörtert wurden und zur Abstimmung standen.

Darüber hinaus wird der Eindruck erweckt, dass für den Zeitplan der Großbaustelle Döppersberg die Gestaltung und Ausführung der Erdgeschossfassade des Bahnhofsgebäudes maßgebend sei.

Können 30 m etwas aufwendiger zu gestaltende Sandsteinfassade den Gesamtablauf der Großbaustelle Döppersberg wirklich stören?

Die Ausführung kann parallel zur Großbaustelle erfolgen. Die Bearbeitung des historischen Bahnhofsgebäudes steht zum überwiegenden Teil erst jetzt an.

Den Bauauftrag an die ARGE Wittfeld/ MBN konnte unsere Fraktion nicht einsehen, obwohl wir Akteneinsicht beantragt hatten.
Gegenüber VertreterInnen unserer Fraktion wurde allerdings von Frau Müller erklärt, dass es aufgrund der notwendigen Abstimmung mit anderen Bauabschnitten keinen festumrissenen Zeitplan gäbe.

Eine Beauftragung der Fassade ohne detaillierte Abstimmung mit der DB, die für das Innere des Gebäudes verantwortlich ist, ergibt ja auch keinen Sinn.

Deshalb kann die Gestaltung nach historischem Vorbild mit nur geringem zusätzlichen planerischem Aufwand betrieben werden und in die übrigen Planungen mit einfließen.

Der grundsätzliche Aufwand für beide Varianten ist gleich hoch und muss ohnehin geleistet werden - so auch die Statik!

Dies ist die Meinung von Experten!

Markus Rathke, Bund Deutscher Architekten (BDA), bezweifelte in der Döppersberg-Kommission die städtischen Mehrkostenzahlen. Er konnte auch das Argument der Verwaltung nicht nachvollziehen, dass Rundbögen aus statischen Gründen nicht möglich seien.

Vor diesem Hintergrund kann man noch einmal fragen:

Wie kann die gesamte Großbaustelle Döppersberg um 6 Monate verzögert werden?

Wie können Mehrkosten im siebenstelligen Bereich entstehen?

Für die rechteckigen Fenster spricht eigentlich nur, dass diese Lösung von der Verwaltung angestrebt und als alternativlos dargestellt wird.

Sollen wir eine Kaserne bekommen, nur, weil die Verantwortlichen keine Veranlassung sehen, sich auf das Thema einzulassen? Warum erkennen sie nicht, welch ein Gewinn - mit relativ geringem Aufwand - für die Stadt eingefahren werden kann?

Diese einmalige Chance darf die Stadt sich nicht entgehen lassen!

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus FAZ vom 4.3. diesen Jahres:

„Die Chance zur historisch genauen Rekonstruktion eröffnet sich nur einmal, die Entscheidung ist irreversibel. Es geht dabei um ein Wahrzeichen von nationaler Bedeutung: Die Stadt Wuppertal könnte dort gewinnen, wo es ihr am besten zu Gesicht steht, weil der Bahnhof als Erstes ins Auge fällt.“

In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu den Anträgen der LINKEN und dem Ergänzungsantrag der Grünen!

 

 

 


Gerd-Peter Zielezinski

Hardtstraße 92

42107 Wuppertal

Telefon: 0202 442078

E-Mail: GZielezinski@aol.com


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