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Sitzung des Rates am 2. November 2020 zu Tagesordnungspunkt 6, Ehemalige Pädagogische Hochschule - Gutachten und Moratorium, VO/0828/20

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

DIE LINKE schlägt für das Gebäude auf der Hardt, das viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler als Alte PH oder Justizvollzugsschule kennen, eine Denkpause vor, ein neues Gutachten und einen zeitweiligen Baustopp.

Seit dem Ratsbeschluss vom 22./24 Juni stellten sich immer neue Fragen zum möglichen Erhalt der historischen Gebäude, die in der Vorlage der Verwaltung nur unzureichend beantwortet wurden.

Mittlerweile ist der Öffentlichkeit bekannt geworden,

  • welche Bedeutung diese Pädagogische Hochschule für den demokratischen Neubeginn in der Lehrerausbildung und für das Bundesland hat. Es geht also nicht nur um den historischen Wert der Bausubstanz. Aber von einer Partei, die ihre historische Kommission aufgelöst hat, ist so viel Bewusstsein  für die eigene Vergangenheit auch nicht mehr zu erwarten.
  • dass dieses Gebäude vollgestopft ist mit Kunst, die nicht nur einen materiellen Wert hat. Das ist einer Partei, die mit Gerhard Baum den Vorsitzenden des Kulturrates stellt, offenbar gleichgültig.
  • dass auch die Gartenanlage einen historischen Wert hat, für die ein Denkmalschutz- antrag lief und läuft. Doch dieses Grün ist dann gleichgültig.

Von alle dem steht in der Ratsvorlage genau nichts. Erst Nachfragen aus der Bürgerschaft und der Linken brachten das zutage.

  • Ein Verein, der sich für den Erhalt historischer Parkanlagen einsetzt,
  • Der Gründer der Wuppertalbewegung, in deren Glanz man sich im Wahlkampf noch sonnte
  • Die Armin T. Wegener-Gesellschaft
  • Eine Bürgerinitiative führte engagierte Menschen zusammen, die diese Informationen zusammentragen. 

Ich will über die Gründe dieser Versäumnisse nicht spekulieren. Klar ist: Zuviel Information hätten die Stadtverordneten nur verunsichert, Fragen aufgeworfen, den Abriss in Frage gestellt.

Das zusätzliche Gutachten, das Die LINKE fordert, soll Aufschluss über eine mögliche Schadstoffbelastung erbringen. Bisher wurde kein Asbest in der Raumluft nachgewiesen. Bis auf den Heizungskeller und den Linoleum-Boden waren alle Proben auf Asbest negativ, so dass nur von einer potentiellen Belastung gesprochen werden kann.

Wenn die Belastung real wäre, hätte man das Gebäude schon nicht mehr als Ausweichstandort für das WDG nutzen dürfen. Wurden die Schülerinnen und Schüler einer Asbestgefahr ausgesetzt? Oder hat man in diesem Gebäude so rein gar nichts baulich verändert für den zeitweiligen Einzug des WDG?! Diese Frage wurde in der Öffentlichkeit aufgeworfen und bis heute nicht beantwortet.

Wenn die Belastung so real ist, dass Baumaterial für Fugen, Fliesen usw. verwendet wurde, das zeitüblich  nicht ausgewiesen Asbest enthält, wieso kann man dann Fensterrahmen usw. herausbrechen, ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen?

Die Vermutung liegt nahe, dass die Asbestbelastung nur das vorgeschobene Argument ist, um den Komplett-Abriss zu rechtfertigen. Es sollen unumkehrbare Fakten geschaffen werden. Ich erinnere an die Pläne für eine Luxusbebauung auf der Hardt, die von OB Jung schon mal ins Gespräch gebracht wurden.

Für diese Vermutung spricht auch, dass der Abriss mit den Lehrgebäuden beginnt und nicht mit dem Internats-Trakt. Denn darin kann gewiss kein Unterricht gehalten werden.

Jetzt werden einige sagen - vor allem aus dem vorgeblich sozial gesonnenen Teil dieses Rates – Die Linken halten den Betrieb auf, die Schülerinnen und Schüler der Else und des Johannes-Rau-Gymnasiums warten doch auf die schnelle Sanierung.

Bei der Aufstellung des Sanierungsplanes hat man auf die Wünsche der Else wenig Rücksicht genommen. Ich war auf den Demonstrationen: Aus den Reihen der anderen Fraktionen habe ich außer einzelner Grüner niemanden gesehen. Soviel Verständnis für die Wut der Else war da wohl nicht.

Für die Asbestsanierung und den nachfolgenden Abriss besteht kein Zeitdruck, haben wir in der Begründung unseres Antrages geschrieben. Wir schlagen vor,

den Carnaper Platz für das Johannes-Rau-Gymnasium

und das Gelände vom Mirker Bahnhof als Ausweichquartier zu nutzen.

Der Carnaper Platz schied „aus politischen Gründen“ aus der Standortwahl schon frühzeitig aus, wurde beiläufig erwähnt. Was waren das für Gründe?

Der Kämmerer suggerierte der BV Barmen und dem Rat erst, dass die Stadtwerke den Platz für ihren Neubau kaufen würden. Nachdem diese Idee aufgrund von Bürgerprotesten fallen gelassen wurde,  wurde der Platz als bezahlter Parkplatz und als kommunale Einnahmequelle angepriesen. Bis heute erscheint das keinem Pächter als wirklich lukrativ, denn die Autos stehen da immernoch für lau. Die „politischen Gründe“ entfallen also:

  • der Carnaper Platz ist auf Stadtkosten solide gepflastert,
  • es wäre ein Beitrag zur Verkehrswende, wenn die Autos dort verschwinden könnten
  • und es ist ein Platz, der für Schülerschaft und Lehrer nahe am gewohnten Standort liegt
  • und ÖPNV-mäßig gut erschlossen ist.
  • Letzteres kann man auch vom Gelände am  Mirker Bahnhof sagen.

Da alle Experten sowieso offen daran zweifeln, ob der ambitionierte Zeitplan von Abriss alte PH und anschließender Aufbau der Container-Schule zu halten ist, können wir gleich auf den Carnaper Platz gehen und in Ruhe einen neutralen Gutachter auswählen und das Gutachten abwarten. Solange kann der Bau auf der Hardt versiegelt werden.

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