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SEILBAHN - Ein Bürger fragt, Gunhild Böth antwortet

Sehr geehrte Frau Böth,

ich möchte gerne von Ihnen wissen, ob Sie den Bau einer Seilbahn in Wuppertal unter Berücksichtigung der derzeitigen Gegebenheiten, wie Wohnbebauung und fehlenden Finanzen für erforderlich halten.. Bitte um eine kurze Antwort: Ja oder Nein.

Sehr geehrter Herr …

leider ist es mit einem einfachen Ja oder Nein nicht getan.

Eine Seilbahn könnte umweltpolitisch durchaus gegenüber dem Bus- oder Individualverkehr eine sinnvolle Alternative sein, aber konkret bezogen auf Wuppertal gibt es für mich erhebliche Zweifel, die ich Ihnen kurz schildern möchte:

-Die Frage des Überflugs der Wohnbebauung und wie dort die rechtliche Situation ist, kann ich derzeit nicht beurteilen. Allerdings möchte ich die Aussage des Kämmerers bezweifeln, dass es dazu keine Gerichtsurteile in Deutschland gäbe. Dass die betroffenen Anwohner*innen das nicht schön finden, kann ich gut verstehen. Aber das wird sicherlich vor Gericht geklärt werden müssen, wie die Rechtslage ist und ob ein öffentliches Interesse hier über den Interessen der Anwohner*innen steht.

-Damit wäre ich bei einem wichtigen Punkt für DIE LINKE: Das kann nur von allen Wuppertalerinnen und Wuppertalern entschieden werden in einem Bürgerentscheid, den der Rat den Bürger*innen vorlegen sollte! Denn es geht um viel Geld und um eine wesentliche Entscheidung in der Infrastruktur dieser Stadt. Das darf auf keinen Fall so laufen wie beim Döppersberg!

-Die Finanzen haben die WSW, die das Bauvorhaben durchführen müssten, berechnet und sind nach Einbeziehung der Fördermittel zu dem Schluss gekommen, dass es für sie finanziell sinnvoll sei. Hierbei geht es vor allem um die Einsparung der Fahrerlöhne bei den Bussen.

Und damit sind wir eigentlich bei weiteren wesentlichen Problemen:

-Ungeklärt ist bisher, wie die Busverbindungen ausgedünnt würden. Denn dass sie ausgedünnt werden, ist bereits gesagt worden.

-Wenn man wirklich mit der Seilbahn Pkw-Verkehr aus der Innenstadt heraushalten will, so müssten sehr viele Parkplätze auf den Südhöhen geschaffen werden. Die sehe ich nicht. Wo soll dieser viele Parkraum entstehen?

- Zudem müssten die Parkplätze mit einem Ticket preisgünstig kombiniert sein, weil sonst kaum ein Autofahrer auf die Seilbahn umstiege - statt mit dem Pkw in die Innenstadt zu fahren. Da aber von Tausenden Nutzer*innen täglich gesprochen wurde, ohne die Kosten für Parkraum gegenzurechnen, erscheint mir das bisher nicht berücksichtigt.

-Wenn von den Seilbahnkund*innen die Rede ist, kommen immer die Schüler*innen des Schulzentrums Süd ins Gespräch. Die kommen aber größtenteils gar nicht über die Elberfelder Innenstadt nach Hahnerberg, sondern aus Ronsdorf, Cronenberg und der Südstadt. Also bräuchten sie auch trotz einer Seilbahn weiterhin Busse. Insofern stimmt die Berechnung in diesem Punkt schon nicht.

-Dass die Studierenden eine Seilbahn nutzen würden, mag wahrscheinlich sein, vor allem, wenn dort keine Busse mehr fahren.

-Aber was wird mit den bisherigen Bus-Nutzer*innen? Wie dünn wird die Taktung? Nicht nur für die der Cronenberger Str., sondern auch alle der anderen Linien, die bisher bis Elberfeld fahren. Fallen die Strecken dann alle ab Hahnerberg weg? Und wenn nicht, bleibe ich dann nicht lieber im Bus sitzen – statt umzusteigen? Oder werde ich gezwungen umzusteigen? Und wenn ich nicht umsteigen muss, stimmen doch die angenommen Fahrgastzahlen nicht mehr!

-Und ist die Seilbahn wirklich barrierefrei? Auch für Sehbehinderte, für Gehörlose? Wenn rollstuhlfahrende Menschen dort einsteigen wollen, dürften nicht wieder welche ausgeschlossen werden, wie es derzeit in den Bussen ist (mit Elektrorollstühlen)!

Sie sehen, der LINKSFRAKTION im Rat der Stadt Wuppertal stellen sich Fragen über Fragen, so dass wir derzeit der Ansicht sind, dass die Seilbahn zwar technisch vielleicht möglich wäre, aber noch völlig unausgegoren einfach als Idee in die Welt gesetzt wurde – ohne all diese Probleme tatsächlich berücksichtigt zu haben.

Und am Schluss möchte ich durchaus noch darauf hinweisen, dass die gesamte Idee vielleicht auch nur eine Hilfe für das geplante FOC am Döppersberg sein könnte, da der Investor Clees mittlerweile nicht mehr beide Ebenen des ehemaligen Postgebäudes für Parkplätze kalkuliert, sondern eine Ebene ebenfalls für Geschäfte nutzen will. Dann müssten aber mehr Parkplätze auf Hahnerberg her. Sollte also das gesamte Projekt und damit auch die Anwohner*innen nur den Wünschen eines weiteren Investors unterworfen werden? Man kommt in der Zwischenzeit auf die merkwürdigsten Ideen nach den Erfahrungen der letzten Jahre …