Wohnen muss bezahlbar sein

Wohnblock mit Balkonen

Handlungsprogramm Wohnen

In der Ratssitzung Ende Juni wurde ein "Konzept zur Zukunft des Wohnstandortes  Wuppertal" beschlossen. Mit ihm soll der fortschreitenden Abwanderung aus unserer Stadt begegnet werden. DIE LINKE im Rat konnte diesem Konzept nicht zustimmen, denn wir bezweifeln, dass es tatsächlich diesem Ziel dient. Zum Teil bewirkt es unserer Meinung nach sogar das Gegenteil, nämlich, dass das Wohnen im Tal noch weiter an Attraktivität verlieren würde.

Die Stadtverordnete Elisabeth August, Mitglied des Ausschusses für Bauplanung, trug dazu in der Ratssitzung die im folgenden verkürzt zusammengefassten Überlegungen vor:

Ein- und Zweifamilienhäuser

Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts "empirica" werden in Wuppertal jährlich ca. 200 Ein- und Zweifamilienhäuser benötigt, die in etwa seit 2007 auch gebaut werden.

Bei dieser Wohnform muss allerdings beachtet werden, dass Flächen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Vorhandene Freiflächen können nicht einfach zugebaut werden. Dies gilt nicht nur wegen der Hochwertigkeit von Frei- und Grünflächen, sondern auch wegen der damit verbundenen neu zu schaffenden Infrastruktur, die dann kostenintensiv unterhalten werden muss.

Wir stellen fest, dass sich diese Erkenntnis langsam durchsetzt. Zu entwickeln ist mithin hochwertiges Wohnen im Geschossbau. Mit den heutigen architektonischen Möglichkeiten ist dies auch machbar. Das Haus im Grünen darf nicht dazu führen, dass das so begehrte „Grün“ schließlich versiegelt und verbaut ist.

Als erster Schritt zu neuer Baupolitik mag die Erklärung des Handlungsprogramms gelten, dass vorzugsweise vorhandene Brachflächen und Baulücken auch für Wohnungsbau verwendet werden sollten. Wir hoffen, dass dies auch Realität wird.

Immer weniger EinwohnerInnen

Dringender Handlungsbedarf besteht beim Erhalt vorhandener Bauten. Beklagt wird, dass Menschen aus Wuppertal wegziehen, weil sie hier nicht angemessen wohnen können. Auffällig dabei ist folgendes: Auch in Wohnlagen, die nur bedingt als gut bewohnbar gelten, bleiben Menschen jahrelang wohnen. So gibt es beispielsweise in Vohwinkel Mehrfamilienhäuser, die erst jetzt leerstehende Wohnungen aufweisen, weil die Wohnungen verrotten! Die großen Bauten an Engelshöhe und Elfenhang werden von den aktuellen Eigentümern schlecht unterhalten. Die MieterInnen beklagen sich über defekte Heizungen, Schimmelbildung in der Wohnung und komplette Verwahrlosung der Außenanlagen. Würden diese Wohnungen instandgesetzt, vorsichtig modernisiert und zu bezahlbaren Mieten vermietet werden, blieben die Menschen dort auch wohnen.

Gerade Mehrfamilienhäuser und Hochhäuser finden sich nicht selten Nähe von Naherholungsgebieten.

Das Problem dabei ist meist: Die Häuser sind im Besitz von Investorenfirmen, die  nicht daran denken, langfristige Wohnungspolitik zu betreiben. Hier muss mit allen zulässigen öffentlich-rechtlichen Mitteln durchgesetzt werden, dass Wohnraum erhalten bleibt.

Talsohle muss lebendig bleiben

Dass in diesem "Handlungsprogramm" die Talsohle als Wohn- und Gewerbegebiet praktisch aufgegeben wird, ist nicht hinnehmbar.

Es gibt – z. B. im Bereich der IT-Branche – durchaus Möglichkeiten, kleinere Gewerbeeinheiten in der Tallage mit Gewerbe zu belegen, das von den Emissionen her gesehen verträglich für ein Mischgebiet ist.

Vorhandener Wohnraum kann vermietbar gehalten werden: Der Preis muss angemessen sein. Außerdem lässt es sich baulich einrichten, dass z. B.  Schlafräume von der Straße abgewandt angelegt werden und damit Wohnungen bewohnbar sind – trotz des Straßenverkehrs auf der B 7. Nachgedacht werden sollte über die Frage, ob die B 7 als Durchgangsstraße erhalten bleiben muss, obgleich Wuppertal an mehrere Autobahnen angeschlossen ist. Nicht alles, was fünfzig Jahre lang notwendig erschien, muss heute noch so bleiben.

Wir begrüßen, dass das Papier Denkanstöße gegeben hat, halten die Diskussion aber längst noch nicht für abgeschlossen.